Allys – Phantastische Menschen und wo sie zu finden sind

PrideGuide 2022 – Artikel von: Sandra Höstermann-Schüttler

Sandra arbeitet im Organisationskernteam CSD München und leitet eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von trans* Menschen.

Ungefähr 7-10 Prozent der Menschen definieren sich als LGBTIQ* und stellen damit natürlich eine Minderheit in unserer cis-heteronormativ geprägten Gesellschaft dar. Seit Jahrzehnten kämpft die Community für Respekt, Anerkennung, gleiche Rechte und gegen Diskriminierung. Aber dieser Kampf kann so viel wirkungsvoller und mächtiger sein, wenn Menschen, die selbst nicht zur Community gehören, ihre natürlichen und/oder gesellschaftlichen Privilegien einsetzen, um mit und für uns zu kämpfen.

Wer sind diese Allys und wie können sie uns helfen? Ein kleines ABC.

A – Allys: Menschen, die selbst nicht zu einer Minderheit, einer marginalisierten oder diskriminierten Gruppe von Menschen gehören, sich aber mit ihnen solidarisieren, sie unterstützen und ihre eigenen Privilegien nutzen, um für Gleichberechtigung zu kämpfen, z.B. indem sie ihre finanziellen Ressourcen, ihre Einflussmöglichkeiten oder Vernetzungsstrukturen nutzen.

B – Behörde: Auch wenn sie bei vielen Menschen einen schlechten Ruf haben, können Behörden dennoch wichtige und wertvolle Allys sein, wie z.B. das KGL in München, die Koordinierungsstelle für die Gleichstellung von LGBTIQ*.

C – Chefetage: Vorgesetzte sind im Berufsleben mächtige Allys, wenn sie die Probleme marginalisierter Mitarbeitender (er-)kennen und bereit sind, ihren Einfluss (der ihnen auch aus ihrer Position heraus gegeben ist), für eine Verbesserung der Situation einzusetzen.

D – Diskriminierung: Allys können auf Diskriminierung aufmerksam machen, auch und gerade weil sie selbst nicht davon betroffen sind und erhalten dadurch mitunter mehr Gehör, z.B. wenn die Hetero-Kollegin den Chef darauf hinweist, dass es im Team nicht toleriert wird, wenn er davon spricht, „in Schwulitäten“ zu kommen, wenn die nächste Deadline im gemeinsamen Projekt nicht eingehalten wird.

E – Eltern: Insbesondere für jüngere LGBTIQ* sind Eltern wichtige Wegbereiter und Unterstützer, wenn sie verstehen, wie ihr Kind sich fühlt und welche Hilfe es benötigt.

F – Freund*innen: Ihnen vertrauen wir manchmal mehr als unserer Familie, sie können uns Rückhalt geben, hören uns zu und sind für uns da, wenn wir sie brauchen.

G – Großeltern: Dürfen als potenzielle Allys nicht unterschätzt werden! Viele junge LGBTIQ*s (und auch ihre Eltern) fürchten sich vor ihrem Coming-Out bei den Großeltern und erleben dann eine große Überraschung, wenn die Oma z.B. sagt: „Ich hatte schon lange vermutet, dass du trans* bist, warum hast du mir das nicht schon früher gesagt?“

H – Hinschauen und Hinhören: Allys müssen zuhören, um zu verstehen, wo und wie sie helfen können und hinschauen, um Situationen zu erkennen, wo sie anderen zur Seite stehen können.

I - Informationen: Können sich Allys natürlich selbstständig einholen, aber wenn wir unsere Allys über unsere Lebenswirklichkeit informieren und ihnen erklären, wie wir uns in diskriminierenden Situationen fühlen, verstehen sie uns viel besser und sind besser gerüstet, beim nächsten Mal für uns einzustehen.

J – Jammern: hilft nichts und trägt vermutlich auch nicht dazu bei, neue Allys zu gewinnen.

K – Kolleg*innen: Wenn wir den Mut haben, auch im Berufsleben offen zu unserer Zugehörigkeit zur LGBTIQ*-Community zu stehen und auf Diskriminierungen aufmerksam machen, können Kolleg*innen zu Allys werden und oft auch zu Freund*innen.

L – Lehrer*innen: können für LGBTIQ*- Kinder und Jugendliche durch Offenheit und Unterstützung den Weg ebnen für die Entwicklung zu einem selbstbewussten und psychisch gesunden Menschen. Gerade deshalb ist LGBTIQ*-Aufklärung für Lehrkräfte so wichtig!   

M - Männer: Oft vielleicht unterschätzt, aber gerade in patriarchalischen Strukturen, wie wir sie z.B. oft im Berufsleben finden, können Männer fördern, unterstützen und Wegbereiter sein – nicht nur für Frauen.

N – Nachbarschaft: Wer würde sich nicht Verbündete in der Nachbarschaft wünschen, die den verbitterten Witwer von nebenan in die Schranken weisen, wenn er mal wieder über „die Schwuchtel aus dem dritten Stock“ meckert?  

O - Offenheit: Erst durch die Offenheit von LGBTIQ* können Allys wirklich verstehen, wo wir diskriminiert werden und ihre Hilfe benötigen, auch wenn es uns manchmal schwerfällt.

P - Privilegien: Wir müssen unermüdlich darauf hinweisen, welche Privilegien uns verwehrt sind, um neue Allys zu gewinnen. Fragt doch mal eure Hetero-Kolleg*innen, die regelmäßig darauf hinweisen, dass LGBTIQ* im Berufsleben nicht thematisiert werden sollte, da es dabei ja lediglich um Sexualität geht, warum sie selbst denn ihre Heterosexualität so aufdringlich zur Schau stellen müssen, wenn sie Fotos von ihren Partner*innen und Familien auf dem Schreibtisch stehen haben. Schließlich möchte ja niemand wissen, mit wem sie ins Bett gehen…

Q - Qualifikation: Die beste Qualifikation für Allys sind ein offenes Herz und Empathie.

R - Rückgrat: Ist auch für Allys wichtig, denn auch wenn sie selbst nicht zu einer marginalisierten Gruppe gehören, erfordert auch das „Mitkämpfen“ Kraft und Mut.

S - Sport(verein): Auch wenn es banal klingt, aber gerade im Sport verlieren Unterschiede in der Herkunft, sozialem Status oder dem familiären Umfeld der einzelnen Aktiven sehr schnell an Bedeutung. Gemeinsam kämpfen, Rücksicht nehmen und füreinander einstehen ist essenziell für viele Sportarten. Warum also nicht auch hier Allys gewinnen?

T – Therapeut*innen: Für trans* Menschen sind Therapeut*innen nicht nur während der Transition wichtige Stützen, um in ihrer Rolle und in ihrem Leben anzukommen. Viele sind auch nach ihrer Transition dankbar für therapeutische Begleitung und viele andere LGBTIQ* haben in schwierigen Phasen ebenfalls die Hilfe von Therapeut*innen schätzen gelernt. Therapeut*innen sind quasi Allys von Beruf.

U - Unterstützung: Allys können auf verschiedenste Arten unterstützen. Sie können bei konkreten diskriminierenden Situationen eingreifen, können ihr Wissen an andere weitergeben, für die Aufhebung von Barrieren kämpfen oder einfach nur ein offenes Ohr haben und da sein, wenn wir sie brauchen.

V – Verständnis: Das ist die Essenz von „Allyship“, denn nur wenn Menschen die Situation einer marginalisierten Gruppe wirklich verstehen, können sie wertvolle Verbündete sein.

W – Wissen: Allys setzen sich mit den Fakten und Hintergründen der Lebenssituation der von ihnen unterstützten Menschen auseinander, lernen aus Fehlern und bleiben wissbegierig.

X – X-Men müssen Allys nicht sein, aber für die Menschen, an deren Seite sie kämpfen, mutieren sie oft zu Superhelden.

Y – Yogalehrer*in: Ja, auch die können Allys sein, wenn sie in ihren Kursen Inklusion leben und Diskriminierung nicht zulassen.

Z – Zusammenhalt: Nicht nur innerhalb der Community, sondern auch darüber hinaus im gemeinsamen Kampf mit unseren Allys gilt: LESS ME, MORE WE!

PDF-Download: PrideGuide 2022

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