Autismus bei trans* Menschen und psychische Probleme

PrideGuide 2022 – Artikel von: Alexandra Hörmann

Dieser Artikel wurde recherchiert und zusammengestellt von Alexandra Hörmann. Alexandra besucht die Selbsthilfegruppe von Trans-Ident München und hat für diesen Artikel verschieden Quellen zitiert, die wir am Ende des Artikels angeben.

Was ist Autismus?
Autismus ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Häufig bezeichnet man Autismus bzw. Autismus-Spektrum-Störungen auch als Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken.

Diagnose „Autismus“
Autismus-Spektrum-Störungen sind „Tiefgreifende Entwicklungsstörungen“ und in der aktuellen ICD 10, den Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation, unter F 84 als medizinische Diagnosen definiert. Es wird zwischen „Frühkindlicher Autismus“ (F84.0), „Asperger-Syndrom“ (F84.5) und „Atypischer Autismus“ (F84.1) unterschieden. Die Unterscheidung fällt in der Praxis jedoch immer schwerer, da zunehmend leichtere Formen der einzelnen Störungsbilder diagnostiziert werden. Daher wird heute häufig der Begriff „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) als Oberbegriff für das gesamte Spektrum autistischer Störungen verwendet.

Merkmale
Die Merkmale des frühkindlichen Autismus zeigen sich bereits vor dem 3. Lebensjahr und in drei Bereichen besonders deutlich:
– Im sozialen Umgang mit Menschen
– In der Kommunikation
– In sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen.


Besonderheiten im Umgang und in der Kommunikation mit Mitmenschen Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben
ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Die Reaktion auf Gefühle anderer Menschen oder Verhaltensanpassungen an soziale Situationen sind selten angemessen. Deutlich eingeschränkt ist auch das Imitationsverhalten von Menschen mit Autismus, was Auswirkungen auf die Entwicklung des „So tun als ob“- Spiels und des nachahmenden Spieles hat.
Im Bereich der Kommunikation sind die Entwicklung des Sprachgebrauches und des Sprachverständnisses gleichermaßen betroffen. Dadurch sind wechselseitiger Gesprächsaustausch, Flexibilität im Sprachausdruck und in der Sprachmelodie ebenso wenig ausgeprägt wie die Ausprägung begleitender Gestik, durch welche die sprachliche Kommunikation betont oder ihr Sinn unterstrichen werden würde.

Besonderheiten im Verhalten
Die Besonderheiten im Verhalten sind charakterisiert durch eingeschränkte, sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten. Alltägliche Aufgaben werden starr und routiniert ausgeführt. Kinder können darauf bestehen, bestimmte Handlungsroutinen in bedeutungslos erscheinenden Ritualen auszuführen. Es können sich ständig wiederholende Beschäftigungen mit Daten, Fahrrouten oder Fahrplänen ergeben.
Motorische Stereotypien, wie Schaukeln, Wedeln, Kreiseln von Dingen sind häufig zu beobachten ebenso wie ein außergewöhnliches Interesse an Teilaspekten von Objekten (z.B. wie diese riechen oder sich anfühlen).
Menschen mit Autismus können große Probleme mit Veränderungen von Handlungsabläufen oder Details der persönlichen Umgebung (wie etwa Veränderungen der Dekoration oder der Möbel in der Wohnung, Veränderung der Kleidung, etc.) haben und zum Teil sehr stark auf diese Veränderungen reagieren.

Besonderheiten in der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Umwelt- und Sinneseindrücken
Neben diesen Besonderheiten in der sozialen Interaktion und im Verhaltensrepertoire betroffenerMenschen haben Betroffene große Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Umwelt- und Sinnesreizen. Sehr schnell können Sie in die Situation einer Überladung mit Sinneseindrücken kommen.

Psychische Begleitstörungen und Probleme
Neben diesen Merkmalen neigen Menschen mit Autismus häufig auch noch zu einer Reihe weiterer psychischer Begleitstörungen, wie große Befürchtungen, Phobien, Schlaf- und Essstörungen sowie herausforderndes Verhalten in Form von Wutausbrüchen und fremd- oder selbstverletzenden Verhaltensweisen. Die meisten Menschen mit Autismus lassen Spontaneität, Initiative und Kreativität vermissen. Sie haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zur Bewältigung einer Aufgabe zu treffen, auch wenn die Aufgabe kognitiv zu bewältigen wäre.

Prognose und Perspektive
Die Merkmale autistischer Störungen ändern sich mit zunehmendem Alter. Im Erwachsenenalter, mit weitgehend gleichbleibenden Voraussetzungen in der Sozialisation, der Kommunikation und den Interessen, bleiben sie jedoch bestehen. Ebenso sind sie in ihrer Zusammensetzung und ihrem Ausprägungsgrad von Person zu Person unterschiedlich. Autismusbedingte Beeinträchtigungen können zwar häufig gebessert oder kompensiert, aber nicht geheilt werden. Die meisten Menschen mit Autismus benötigen aufgrund der umfassenden Beeinträchtigungen eine lebenslange Hilfe und Unterstützung, deren Grad wiederum sehr unterschiedlich sein kann. Autismus ist unabhängig vom Intelligenzniveau, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Intelligenzminderung erhöht.

Abgrenzung zum Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom (F84.5.) unterscheidet sich von anderen Autismus-Spektrum-Störungen in erster Linie dadurch, dass oft keine Entwicklungsverzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist. Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom besitzen eine normale allgemeine, in Teilgebieten besonders hohe Intelligenz. Hingegen sind in der psychomotorischen Entwicklung und der sozialen Interaktion Auffälligkeiten festzustellen.
Besonderheiten in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Umweltreizen und Sinneseindrücken treten auch bei Menschen mit Asperger-Syndrom häufig auf.

Häufigkeit
Es gibt leider keine genauen Angaben zur Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen in Deutschland. Die unten stehenden Zahlen beziehen sich daher auf Untersuchungen in Europa, Kanada und den USA.

Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen

 

Alle Autismus Spektrum Störungen

6-7 pro 1.000

Frühkindlicher Autismus

1,3-2,2 pro 1.000

Asperger-Autismus

1-3 pro 1.000

Andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen

3,3 pro 1.000

Trotz umfangreicher Forschungsergebnisse hat sich bislang noch kein umfassendes Erklärungsmodell herausgebildet, das vollständig und schlüssig die Entstehungsursachen autistischer Störungen belegen kann. So unterschiedlich sich die ursächlichen Faktoren für das Syndrom bisher darstellen, so vielfältig und jeweils an den Bedürfnissen des Einzelnen ausgerichtet sind auch die pädagogischen und therapeutischen Ansätze.

Was ist Transgender
Transgender/Trans*-Menschen bezeichnet Menschen, deren äußerliche Geschlechtsmerkmale (und damit das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht) nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht, dem sogenannten Identitätsgeschlecht, übereinstimmen. Salopp könnte man auch sagen: „Transgender fühlen sich im falschen Körper“.
Transgender bedeutet: lateinisch trans, jenseits von, darüber hinaus und englisch gender: soziales Geschlecht.

Zusammenhang von Transidentität und ADHS bzw. Autismus

ADHS- Ein Schlagwort der jüngeren Generation und eine der Krankheiten, die häufig fehldiagnostiziert wird. Umso wichtiger ist es, die Symptome, Ursachen und möglichen Zusammenhänge besser zu begreifen. Eine neue Studie beschäftigte sich nun mit der Verbindung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-, bzw. Hyperaktivitätsstörung) bzw. Autismus und der sogenannten Transidentität, also dem Wunsch, einem anderen Geschlecht anzugehören.


Besteht ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Geschlechtsidentität und ADHS oder Autismus?
Kinder mit Autismus oder ADHS haben öfter den Wunsch, ein anderes Geschlecht zu haben. Kinder und Teenager mit autistischen Störungen oder ADHS haben oftmals Probleme, ihr eigenes Geschlecht zu akzeptieren. John Strang vom Children´s National Medical Center in Washington, DC, USA, hat erstmals eine Studie durchgeführt, die Geschlechtsidentitätsprobleme bei Kindern und Heranwachsenden mit und ohne spezifische neurologische Entwicklungsstörungen untersucht. Die Arbeit erscheint im Springer-Journal Archives of Sexual Behavior.

An der Studie nahmen Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren teil. Davon hatten einige gar keine neurologischen Entwicklungsstörungen, andere hatten unterschiedliche Ausprägungen von Autismus oder eine Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), wieder andere litten unter Epilepsie oder Neurofibromatose. Der Wunsch, einem anderen Geschlecht anzugehören, die sogenannte Transidentität, wurde anhand der Behavior Checklist ermittelt. Dies ist einer der gängigsten Verhaltensbeurteilungsbogen für Kinder und Heranwachsende.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe trat Transidentität unter den Probanden mit autistischen Störungen 7,59-mal häufiger auf, bei den Kindern mit ADHS 6,64-mal häufiger. Kein Unterschied war nachweisbar zwischen der Kontrollgruppe und den Teilnehmern aus den beiden anderen Gruppen mit neurologischen Störungen.
Bei Kindern, die transident sind, konnten auch vermehrt Angst- und Depressionssymptome beobachtet werden. Diese wiederum waren weniger ausgeprägt unter den Teilnehmern mit autistischen Störungen, was allerdings damit zusammenhängen könnte, dass sie grundsätzlich ein gestörtes soziales Empfinden haben. Ihnen ist der gesellschaftliche Druck, der mit Geschlechtsidentitätsproblemen einhergeht, oft nicht bewusst.

Die Studie von Strang und seinem Team ist die erste, die sich damit auseinandersetzt, inwieweit sich die Diagnose ADHS und Transidentität überschneiden. Die Ergebnisse bestätigen vorangegangene Studien, die ein erhöhtes Maß an Verhaltensstörungen unterschiedlicher Art bei jungen Menschen mit Transidentität festgestellt haben.
Mit der Transidentität zurechtzukommen ist für die betroffenen Kinder selbst wie auch für die Familien ein überaus komplexes Problem. Ist auch die neurologische Entwicklung des Kindes gestört, werden Diagnose, Vorgehen und Bewältigung zu einer noch größeren Herausforderung. „Bei ADHS ist die Impulskontrolle ein zentrales Problem: Trotz des inneren und äußeren Drucks fällt es solchen Kindern darum oft schwer, Impulse zu deckeln, die durch ihren Wunsch nach einem anderen Geschlecht aufkommen“, sagt Strang. Er glaubt, dass das Zusammenfallen von Transidentität und ADHS bzw. Autismus mit den typischen Symptomen dieser Störungen der Neuroentwicklung zusammenhängen könnte.

Strang weiter: „Kinder und Heranwachsende mit autistischen Störungen sind sich der gesellschaftlichen Missbilligung der Geschlechtsvarianz wahrscheinlich weniger stark bewusst, sie unterdrücken solche Neigungen seltener. Denkbar ist auch, dass übermäßig starkes Schwarz-Weiß- Denken dazu führen könnte, dass diese Kinder leichte Geschlechtsvarianztendenzen als intensiver und absoluter wahrnehmen.“

Menschen, die trans* (transident, transgender, transsexuell, genderfluid, nicht binär, agender, polygender, gender queer) sind und Autismus-Spektrum-Störungen aufweisen, sehen sich oft mehrfachen Stigmatisierungen ausgesetzt.
So können sich neurotypische Menschen (das sind Personen, die keine Autismus-Spektrum-Störung aufweisen) nur schwer auf die Bedürfnisse von Personen mit Autismus Spektrum Störung einstellen und stigmatisieren die typischen Verhaltensweisen von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, ohne deren Stärken und Ressourcen anzuerkennen.
Auch Trans*Menschen ohne Autismus-Spektrum-Störung kennen diese Stigmatisierung aufgrund ihres Abweichens von der gesellschaftlichen Normalität und ihres Andersseins. Sind Menschen zugleich trans* und weisen Autismus-Spektrum-Störung auf, so kann es mitunter zu mehrfachen Diskriminierungen kommen.


Menschen, die eine Autismus-Spektrum-Störung aufweisen und trans* sind, werden oft wegen folgender Merkmale diskriminiert und erfahren psychische Gewalt, wie etwa Ausgrenzung und Mobbing:
- wegen ihres Andersseins und ihres Abweichens von gesellschaftlichen Normen
- wegen ihrer Schwierigkeiten, zu mentalisieren (das meint die Fähigkeit, sich bewusst zu werden, was in anderen Menschen mental, kognitiv und emotional vorgeht)
- wegen des Nicht-verstanden-werdens, aber auch des Nicht-verstehens und aller zwischenmenschlichen Konflikte, die damit einhergehen
- wegen ihres scheinbar sozial unangemessenen und unbeholfenen Verhaltens
- wegen ihrer Schwierigkeiten, was körperliche Nähe, Sexualität, Erotik und Partnerschaft betrifft
- wegen ihrer Transidentität
- wegen der Schwierigkeit, ihre Gefühle und Emotionen zu dechiffrieren und zu benennen
- wegen einer abweichenden sexuellen Orientierung (etwa Homosexualität, Bisexualität, Pansexualität, Asexualität)
- wegen ihrer Schwierigkeiten, ihre Transidentität zu benennen


Menschen, die eine Autismus-Spektrum-Störung aufweisen, versuchen sich oft (zu) stark an ihr soziales Umfeld anzupassen, das nicht auf Autismus-Spektrum-Störung eingestellt ist und auch nicht auf deren spezifische Bedürfnisse eingeht. Diese Kompensationen kosten viel Kraft und Lebensenergie und führen häufig dazu, dass Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung eine chronische Erschöpfung, ein Burnout, eine Depression, Angststörungen oder Zwangsstörungen entwickeln. Auch sozialer Rückzug kann eine Folge sein.
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung sind allerdings auch unabhängiger von sozialen Normen als neurotypische Menschen, was entlastend sein kann, wenn sie trans* sind. Dies kann Vorteile haben, wenn ein Kind, das eine Autismus-Spektrum-Störung aufweist, trans* ist und dann eher seine Trans*Geschlechtlichkeit zu leben vermag als ein neurotypisches Kind. Zugleich kann es aber für ein Kind oder einen Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung schwieriger sein, einzuschätzen, was es bedeutet, sich zu einem oder mehreren Geschlechtern zugehörig zu fühlen.

Hier ist es wichtig, Trans*Personen mit Autismus-Spektrum-Störung viel Zeit und Raum zu geben, keinen Druck auf sie auszuüben und zugleich immer auf die spezifischen Bedürfnisse einzugehen, die mit Autismus-Spektrum-Störung einhergehen. Dies erfordert mitunter Langsamkeit und viel Struktur, wobei immer wieder die Erfahrung gemacht wird, dass Personen mit einer Autismus- Spektrum-Störung diese Langsamkeit auch selber wünschen und einfordern.

Transgender und psychische Probleme: Depressionen bis hin zu Drogenmissbrauch
Psychische Probleme, die häufig bei Transgender-Personen auftreten
– Angststörungen
– Depressionen
– Selbstbeschädigung und Selbstmordgedanken
– Psychische Probleme bei Transgender-Personen im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch

Jeder kann psychische Probleme haben, aber Transgender sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Probleme im Zusammenhang mit Gesundheit, Umweltausschluss und Mobbing sind nur einige der vielen Faktoren, die es verursachen.
Transgender selbst ist keine Krankheit, wie viele Menschen früher dachten. Transgender Personen sind Personen, die das Gefühl haben, nicht im richtigen Körper zu sein, aber dennoch einer anhaltenden Diskriminierung ausgesetzt sind. All dies hat dann einen negativen Einfluss auf ihre psychische Gesundheit.

Psychische Probleme, die häufig bei Transgender-Personen auftreten
Transgender leiden unter Geschlechtsdysphorie. Durch diesen Zustand fühlt sich eine Person unwohl oder depressiv, weil sie das Gefühl hat, dass ihr biologisches Geschlecht nicht mit der Geschlechtsidentität übereinstimmt. Geschlechterkonflikte haben verschiedene Auswirkungen auf alle, die sie erleben. Einige Menschen möchten sich möglicherweise durch das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts ausdrücken, andere möchten möglicherweise ihre eigene Bezeichnung ändern, und einige gehen möglicherweise noch einen Schritt weiter, indem sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Beim Start der Website des University of Rochester Medical Center haben viele LGBTQ+ -Personen Schwierigkeiten, ihre Sexualität zu bestimmen und sie den ihnen am nächsten stehenden Personen zu vermitteln. Transgender und Geschlechtsdysphorie ist keine Geisteskrankheit, sondern die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, können psychische Probleme auslösen. Hier sind einige der psychischen Probleme, für die sie anfällig sind.

1. Angststörungen
Fast die Hälfte der Transgender-Bevölkerung in den USA leidet an einer Angststörung. In der Tat zeigt eine große und breite Studie der Internationalen Zeitschrift für Transgenderismus, dass das Risiko von Angststörungen bei Transgender-Menschen dreimal höher ist als das von anderen Menschen.
Diese Störung entsteht normalerweise durch Ablehnung während des Übergangs zum neuen Geschlecht. Laut einem Menschenrechtsaktivisten und Mitglied der HIV / AIDS Allianz sind Transgender-Menschen häufig starkem Widerstand von denen ausgesetzt, denen sie am nächsten stehen.
Diese Ablehnung macht es ihnen unmöglich, sich vollständig auszudrücken oder nur ihre Gefühle auszudrücken. Infolgedessen sind sie anfällig für Angststörungen, die mit der Zeit zunehmen.

2. Depressionen
Forscher der Boston University und mehrerer anderer Universitäten führten eine Umfrage an 71 Standorten in den USA durch. Ziel dieser Umfrage ist es, die Anzahl der Betroffenen psychischer Probleme bei Studierenden mit geschlechtsspezifischen Minderheiten, einschließlich Transgender-Personen, zu ermitteln. Infolgedessen erfüllten etwa 78% der Teilnehmer aus geschlechtsspezifischen Minderheiten die Kriterien für ein oder mehrere psychische Probleme. 60% der Teilnehmer, die sich nicht geschlechtsspezifisch fühlten, erfüllten die Kriterien für Depressionen, viel höher als diejenigen, die sich geschlechtsspezifisch fühlten. Depressionen treten normalerweise als Folge von Isolation und negativem Stigma von ihren Mitmenschen auf und löst allmählich anhaltenden Stress aus, senkt das Selbstvertrauen und behindert ihre Fähigkeit, tägliche Aktivitäten auszuführen und Kontakte zu knüpfen.

3. Selbstbeschädigung und Selbstmordgedanken
Laut einer Studie von Forschern der Boston University, geben bis zu 40% der Transgender zu, zuvor einen Selbstmordversuch unternommen zu haben.
In Bezug auf die Mental Health Commission von Kanada sind hier einige Faktoren aufgeführt, die Transgender zu Selbstmordversuchen neigen lassen:
– Diskriminierung und körperliche, verbale und sexuelle Gewalt
– Mangel an Unterstützung durch Eltern und Verwandte
– Das Vorhandensein von Richtlinien an bestimmten Orten, die Unsicherheit schaffen
– Stress und Angst aufgrund des Geschlechtsangleichungsprozesses
– Massive Veränderungen im Lebensstil nach dem Geschlechtswechsel

4. Psychische Probleme bei Transgender-Personen im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch
Ein weiteres psychologisches Problem, das häufig bei Transgender-Personen auftritt, ist Drogenmissbrauch wie Alkohol, Zigaretten und Betäubungsmittel. Laut dem Center for American Progress haben etwa 20 bis 30% der Schwulen und Transgender Drogenmissbrauch begangen. Diese Zahl ist viel höher als die Zahl der Drogenabhängigen in der Allgemeinbevölkerung, die nur 9 Prozent beträgt. Drogenmissbrauch kann zu neuen Problemen wie Sucht führen, insbesondere wenn die Person, die ihn erlebt, ebenfalls ein Trauma hat und ausgeschlossen ist. Tatsächlich kann diese Zahl reduziert werden, indem diskriminierendes Verhalten vermieden wird.

Transgender und alle, die Teil von LGBTQ + sind, sind eine Gruppe, die anfällig für psychische Probleme ist. Die Ursachen sind sehr unterschiedlich und reichen von Schwierigkeiten bei der Akzeptanz der Identität bis zu diskriminierendem Verhalten durch die Umwelt. Darüber hinaus neigen LGBTQ + -Personen mit psychischen Problemen dazu, ein doppeltes negatives Stigma zu bekommen. Die psychischen Probleme, von denen Transgender betroffen sind, können tatsächlich gemildert werden. Eine Möglichkeit ist die Beseitigung diskriminierender Vorschriften an öffentlichen Orten, damit jeder die gleichen Rechte bei seinen Aktivitäten hat. Darüber hinaus ist das ausschließende Verhalten gegenüber Transgender Personen zu verringern.

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) im Erwachsenenalter
Gespür für Verdacht I (Erwachsenenalter)
– „unauffälliger“ erster äußerlicher Eindruck
– oft sehr guter schriftlicher Stil, auf Vollständigkeit bedacht
– in Gruppen oft Beobachter
– erhöhtes Schlafbedürfnis, Nachholschlaf
– psychosomatische Beschwerden, oft stressabhängig
– wiederkehrende (abendliche) Erschöpfung
– sensorische Unter- bzw. Überempfindlichkeit
– Phasen mit depressiven Gedanken, oft chronisch, oft seit Kindes- und Jugendalter, manchmal Suizidkrisen

Gespür für Autismus-Spektrum-Störung Verdacht II (Erwachsenenalter)
– oft großer Ehrgeiz, hoher Qualitätsanspruch
– Verwandte mit Autismus-Spektrum-Störung, eigener Verdacht
– Mobbing seit Schule, Lehrabbruch, Stellenwechsel, Kündigungen
– psychosomatische Behandlungen
– viele und oft nicht deckungsgleiche Vordiagnosen, oft darunter Persönlichkeitsstörungen

Kein Verdachtsausschluss z.B./ u.a. aufgrund von Kompensationsmöglichkeiten, im Fall von sog. Komorbidität (Begleitstörung), z.B. ADHS
– lebendiger Ausdruck
– Gegenseitigkeit im Gespräch
– attraktives, modernes Erscheinungsbild
– Freundschaften
– Vorhandener Blickkontakt, Gestik
– gute Schulnoten
– sportlich

Klischees bezüglich Autismus-Spektrum Störung

– musisch-künstlerische Interessen und soziale Berufswünsche sprechen gegen Autismus
– Menschen im Autismus-Spektrum sind überwiegend in den Bereichen IT, Physik, Mathematik zu finden
– Asperger haben keine Freunde
– autistische Menschen haben kein Bedürfnis nach Partnerschaft
– Autismus-Spektrum-Störung Betroffene empfinden keinen Leidensdruck
– Autismus-Spektrum-Störung lässt sich mit etwas Erfahrung leicht erkennen

Mögliche Einwände gegen Autismus-Spektrum-Störung
– „Autismus“ verschwindet mit der Zeit
– durch Anpassung seitens des/der Betroffenen ist „Autismus-Spektrum-Störung“ beherrschbar
– Arbeits- und Leistungsfähigkeit sind in der Regel gut trainierbar
– jemand hat in Fragebögen unauffällige Ergebnisse, deswegen kann er/sie keine Autismus-Spektrum Störung haben
– es existieren einzelne beweisende Merkmale für die Autismus-Spektrum-Störung
– AMDP (standardisiertes System zur Erfassung von sogenannten psychopathologischen Merkmalen) umfasst die Merkmale für die Erkennung jeder psychischen Störung, incl.
Autismus-Spektrum-Störung

Psychische Begleiterkrankungen Asperger Syndrom
Depressionserkrankungen 53%
Angsterkrankungen 50%
ADHS 43%
Zwangserkrankungen 24%

Tic-Störungen 20%
Psychotische Syndrome 13%
Suchterkrankungen 16%

Nach der Diagnosestellung – Empfehlungen - Optionen und Vorgehen, gegebenenfalls individuell mit Vertrauensperson oder Therapeut/in besprechen
– Informieren über Autismus-Spektrum-Störung (Betroffene und Angehörige)
– Begleitperson suchen („private/r Geschäftsführer/ in“)
– Autismus-Spektrum-Störung Therapeut/in und Autismus-Spektrum Störung Therapiekurs
– Selbsthilfegruppe
– Unterstützer- „Netz“ bilden/akzeptieren

Herausforderungen / Fokus
Hauptherausforderungen bei Autismus-Spektrum-Störung

Aus Betroffenensicht:
– Eine Berufstätigkeit aufnehmen
– Psychische Beschwerden und Probleme
– Was tun nach der Diagnosestellung?
– Schlaf

Aus Angehörigen- bzw. Elternsicht:
– Unterstützung in der Ausbildung
– Wie Versorgung und Unterstützung finden?
– Was tun nach der Diagnosestellung?
– „Problematisches“ Verhalten

Beispiel Organisation des Unterstützernetzes
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung mit Ziel Job
– Autismus-Spektrum-Störung Therapeutin
– Fachstelle Autismus-Spektrum-Störung
– Job-Coach
– Wohncoach

Beispiel Organisation des Unterstützernetzes
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung im Job – „Private/r Geschäftsführer/in“
– Autismus-Spektrum-Störung Therapeutin
– Sozialdienst
– Job Coach
– Autismus-Spektrum-Störung – Therapiekurs
– Ergotherapeutin
– Wohncoach
– Fachstelle Autismus Spektrum Störung

Gute…
– Gute Dokumentation: Abklärungsbericht
– Gute Alltagsgestaltung
– Gute Zusammenarbeit /Kooperation

– Sensibilisierung der Öffentlichkeit
– ohne Kooperation kein „Change“ und kein Fortschritt im Anliegen „koordinierte Unterstützung für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung“
– Dachverband, Interessenvertretung
– Kinder-/ Jugend- und Erwachsenenabteilungen im Bereich Kliniken
– Qualitätszirkel berufsgruppenübergreifend

– Gute Einordnung der Forschung

Zum Abschluss wird noch persönlich empfohlen, Menschen die Transgender sind und die Autismus-Spektrum Diagnose haben, sollten sich bitte auf dem Weg der Transition nicht unter Druck setzen lassen. Jede/r* kommt mit der Transgender Behandlung ans Ziel, auch wenn es steinig und schwer ist. Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote an Selbsthilfegruppen, wo es konstante Hilfe und Angebote gibt. Bitte denkt einfach daran: ihr schafft schon euren Weg, dahin zu kommen, wo ihr euch wohlfühlt in eurem Körper. Zudem erhaltet ihr auch wirklich Hilfe von eurem Transgender Arzt, der euch bei der ganzen Behandlung hilft und bei Fragen beiseite steht.
Ich wünsche euch auf eurem Weg alles Gute und es wird alles gut.

Genutzte und z.T. wörtlich zitierte Quellen:
www.autismus.dewww.fachzeitungen.dewagner-healthcare.comHochfunktionale autistische Störungen im Erwachsenenalter (autismus.ch)www.psychotherapie-salzburg.de gendertreff.de

PDF-Download: PrideGuide 2022

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