8.000 Leute beim KyivPride: München an der Spitze

Immer größer, immer sichtbarer, immer sicherer. Der CSD in Münchens Partnerstadt Kyjiw versammelte heuer über 8.000 Teilnehmer*innen in einer abgeriegelten Innenstadt. Aus München waren um die 20 Leute dabei.

Für viele Münchner*innen hat der KyivPride schon eine gewisse Routine. Jedes Jahr fahren sie in die Partnerstadt, um die LGBTI*-Community vor Ort im Kampf um gleiche Rechte und Akzeptanz zu unterstützen. Doch dieses Mal waren viele Neulinge dabei, die die Szenerie ziemlich beeindruckt haben muss: Metalldetektoren am Einlass, massiver Polizeischutz, lautstarke Gegenproteste von betenden Religiösen und aggressiven Nationalisten. Sämtliche Straßen abgeriegelt, auch die U-Bahn: geschlossen. Dazu keine Musik oder Statements nach der Demo, weil die Fahrer der Trucks mit den Lautsprechern in letzter Sekunde aus Angst vor Angriffen die Flucht ergriffen hatten. Das ist der CSD in Münchens Partnerstadt Kyjiw im Jahre 2019. Unsere Blogs dazu hier

Trotzdem war der KyivPride ein riesen Erfolg. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Teilnehmer*innen – 8.000 waren es dieses Mal laut Veranstalter*innen. Als München dem ersten Pride zum Erfolg verhalf - 2013 war das - waren gerade einmal 150 Menschen daran beteiligt. Und auch die Zahl der Polizist*innen verringert sich – 1000 waren es statt einst zweieinhalb Tausend. Und der Marsch wird bunter mit all seinen Gruppen aus der ganzen LGBTI*-Community: Lesben, Schwule, Bi, Trans*, Inter*, Fetischgruppen, Drag Queens, Regenbogenfamilien, Eltern von LGBTI* sowie Künstler*innen und auch einige Politiker*innen. Die Botschaften der EU und Kanadas waren ebenfalls vor Ort. Und die Stimmung ausgelassen.

Gemeinsam stärker

Und natürlich lief Dominik Krause mit in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Zwar hat die Stadt Kyjiw ihn nicht offiziell empfangen, eigentlich ein Affront, aber Präsenz gezeigt hat er doch. "Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Wir sind stolz und froh, unseren Freund*innen in Kyjiw beistehen zu können, freuen uns sehr darüber, dass inzwischen auch große Teile der Bevölkerung die Anliegen der LGBTI* mittragen. Die Menschen sind längst viel weiter als die Politik, die sich gegenüber ultrarechter Aggression nicht klar distanziert. Diesen Weg möchten wir weitergehen – und zwar gemeinsam." Schon in wenigen Wochen werden LGBTI*-Aktivist*innen aus der Ukraine zu Gast beim Münchner CSD sein; wie in Kyjiw laufen sie vorne an der Spitze im Veranstalter*innenblock des Demozugs.

Die Veranstalter*innen dankten München: "Es ist leider noch wichtig, dass uns Freund*innen aus dem Ausland helfen, weil die Regierung uns nicht genug unterstützt, sie sich nicht von Ultranationalisten abgrenzt und deren Gewalt verurteilt." Gerade München als Partnerstadt spiele hier eine wesentliche Rolle. "Wir danken München sehr dafür", sagt Stanislav Mishchenko, Vorstandsmitglied des KyivPride.

Hass und Gewalt gegen LGBTI*

Homo- und Trans*-Phobie sind in der Ukraine weit verbreitet. Zwar hat sich die Situation für LGBTI* seit dem EuroMaidan 2014 und der Annäherung an die EU zum Besseren gewendet. Aber noch immer lehnen viele Menschen in der Ukraine gleichgeschlechtliche Liebe ab, allen voran Kirchen und Ultranationalisten. Letztere sind in den vergangenen Jahren aggressiver geworden. Der Staat distanziert sich kaum, einen umfassenden Diskriminierungsschutz für sexuelle Minderheiten gibt es nicht, obwohl ein Aktionsplan der Regierung von 2015 das vorsieht. Er wurde bislang nur in Teilen umgesetzt.

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