Der CSD München 2019: Erinnern, Feiern und Fordern!

50 Jahre Stonewall! Mit den Aufständen in der New Yorker Christopher Street begann die LGBTI*-Bewegung, wie wir sie heute kennen. Und es ist nicht das einzige Jubiläum, das der CSD dieses Jahr feiern könnte. Ebenfalls 1969 entschärfte Deutschland den Paragraphen 175, der Sex unter Männern bis dahin unter Strafe stellte. Erst 1994 fiel er ganz; vor 25 Jahren war das. Den ersten CSD erlebte München 1980, als sich knapp hundert Leute am Sendlinger Tor zum Protestmarsch aufmachten. Heute sind es mehr als 175.000 Menschen (2018), die bei der Politparade Flagge zeigen.

Es ist also viel passiert in den vergangenen Jahren: Entkriminalisierung von Homosexualität, Entschädigung der Opfer, ein Antidiskriminierungsgesetz, gesellschaftliche Akzeptanz, eine Besserstellung von Trans*-Personen, Gleichstellung in der Ehe, Einführung eines dritten Geschlechts etc. Aber vieles bleibt auch noch zu tun. Der CSD-Slogan lautet dieses Jahr deshalb folgerichtig: „50 Jahre Stonewall – Celebrate diversity! Fight for equality!“

Ein CSD für alle!

Denn: „Der Schutz vor Diskriminierung im Grundgesetz, die längst überfällige Verabschiedung eines neuen Transsexuellengesetzes, das dem Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen auch gerecht wird, die Anpassung des Abstammungsrechts, die Akzeptanz an Schulen und Unis, das alles müssen wir erst noch gewinnen“, sagt Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD München.

Nicht zuletzt, so Julia Bomsdorf, politische Sprecherin des CSD, gelte es jetzt, sich entschieden gegen homo- und trans*-phobe Haltungen zu wehren und sich gegen den Trend zu wenden, Angriffe auf Mitglieder der LGBTI*-Community politisch wieder salonfähig werden zu lassen. Gerade auch Geflüchtete brauchen dringend Unterstützung. Auch wenn bereits vieles weltweit erreicht wurde, so ist die Situation für nicht-heterosexuelle Menschen in vielen Teilen der Welt weiterhin lebensbedrohlich.

Anlass zum Erinnern, Feiern und Fordern gibt es also genug. Und so will der CSD 2019, der wieder unter der Schirmherrschaft von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter steht, dem historischen Anlass auch gerecht werden. Angekündigt sind über 60 Veranstaltungen in der Pride Week, am CSD-Samstag selbst erwarten die Veranstalter*innen wieder um die 175.000 Leute, wenn die Politparade läuft, das Straßenfest mit seinem großem Kultur- und Showprogramm, die Party Area und natürlich das ebenso bekannte, wie populäre Rathaus-Clubbing die Menschen ins Zentrum lockt. Für Regenbogenfamilien gibt es einen eigenen Bereich.

Die Höhepunkte der Pride Week

Mit dem Angertorstraßenfest am Samstag, 6. Juli, beginnt Punkt 15 Uhr die Pride Week. Zum Auftakt organisiert die Lesbenberatungstelle LeTRa, Mitträgerin des CSD München, die größte lesbische Outdoor-Party Bayerns. Zum ersten Mal findet zeitgleich der Münchner Dyke*-Marsch in der Pride Week statt, der in das Angertorstraßenfest mündet.

Freilich spielen auch in diesem Jahr wieder die Münchner Philharmoniker und das Rainbow Sound Orchestra auf und zwar am Sonntag, 7. Juli, 19 Uhr. Es ist das dritte Regenbogenkonzert in einer Münchner Pride Week. Die Philharmoniker leisten aktive Öffentlichkeitsarbeit für die Münchner Regenbogen-Stiftung, für die sie eine Patenschaft übernommen haben. Die Stiftung fördert gemeinnützige Projekte in der LGBTI*-Szene. Die Schirmherrschaft über das Konzert hat Oberbürgermeister Dieter Reiter inne.

Die Pride Week gestalten dann wie jedes Jahr die Organisationen, Gruppen und Initiativen der Münchner LGBTI*-Community & Friends. Vom 6. bis 14. Juli ist wirklich alles dabei, was mensch sich vorstellen kann: Gottesdienste, ein Klavierabend, Vorträge, Filme, Debatten, queere Stadtführungen, Fotoausstellungen, öffentliche Chorprobe, eine Tuntenshow, jede Menge Partys etc. etc. Der Zoo macht eine eigene Führung zum Thema „Homosexualität im Tierreich“.

Zwei Sachen gilt es hervorzuheben: Die große Podiumsdiskussion zu „50 Jahre Stonewall – und jetzt alles von vorn?“ am Donnerstag, 11. Juli, 19.30 Uhr im Sub. LGBTI*-Aktivist*innen der ersten Stunde aus New York, München, der Partnerstadt Kyjiw und Sankt Petersburg diskutieren über die neue Gefahr von Rechts. Traditionell präsentieren am Abend darauf CSD und LeTRa im Mathäser am Freitag, 12. Juli, ab 20 Uhr wieder das Lesbische CSD Film Event mit dem kenianischen Film "Rafiki". Im Anschluss Get-together mit DJane Eléni.

Das heißeste Wochenende des Jahres

Am Samstag, 13. Juli, findet die Pride Week schließlich ihren Höhepunkt mit der Politparade ab 12 Uhr. Es ist die größte Demonstration von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans* und Inter* im süddeutschen Raum. Vergangenes Jahr nahmen 134 Gruppen teil. Abends geht’s dann zum Clubbing ins Rathaus ab 22 Uhr, wo auf sechs Dancefloors in- und outdoor die ganze Nacht gefeiert wird. Die Veranstalter*innen raten, sich Tickets rechtzeitig im Vorverkauf zu besorgen, der am 1. Juni startet.

Das Bühnenprogramm hat dann schon längst begonnen. Zwei Tage lang, von Samstag, 13. Juli, bis Sonntag, 14. Juli, bietet der CSD ein buntes Show- und Kulturprogramm auf der Hauptbühne vor dem Marienplatz und einer kleineren Kulturbühne in der Kaufingerstraße, während sich in den Straßen der Altstadt die Gruppen der LGBTI*-Community vorstellen – ein gigantisches Straßenfest unterhält München.

Zu den Stars des Wochenendes zählen unter anderem die israelische Musikerin Netta, die im vergangenen Jahr den Eurovision Song Contest gewann, und der Schlagerstar Julian David (Sperrfrist: 1. Juni). Don’t miss: Das legendäre PumpsRace am Sonntagnachmittag. Am Unteren Anger/Klosterhofstraße (Zugang vom Oberanger/Linde-Parkhaus) erwartet die Gäste dieses Jahr die Party Area, die sich ebenfalls übers ganze Wochenende erstreckt.

Der CSD 2019 wird groß. München heißt seine Gäste herzlich willkommen!

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