CSD München 2019 - 155.000 Menschen feiern mit LGBTI* in der Innenstadt

München, 13. Juli 2019 – 50 Jahre Stonewall – Celebrate diversity! Fight for equality! Unter diesem Motto stand dieses Jahr der Münchner CSD. Die Vorkämpfer*innen von 1969 ehren, die sich in der New Yorker Stonewall-Bar erstmals gegen ihre willkürliche Verfolgung wehrten. Feiern, was die Community alles erreicht hat, weiter kämpfen um gleiche Rechte und Akzeptanz, wo sie noch fehlt. Dem sind am heutigen Samstag 155.000 Menschen gefolgt, 15.000 von ihnen sind bei der Politparade mitgelaufen. In der Münchner Innenstadt haben sie mit Lesben, Schwulen, Bi, Trans* und Inter* die ganze Vielfalt der Stadt gefeiert.

Zum politischen Auftakt am Morgen sprachen die politischen Vertreter*innen Münchens ihr Lob für die Community der Stadt aus; sie könnten stolz darauf sein, was sie sich bislang erkämpft hätten. Sie priesen die Vielfalt der Münchner Community, ihr Engagement, ihre Solidarität untereinander, auch mit Geflüchteten und LGBTI* in unserer Partnerstadt Kyjiw. Da waren sich alle Parteien einig. Überraschend, dass gerade Kristina Frank, Oberbürgermeisterkandidatin der CSU, sagte, sie freue sich, dass die Regenbogenflaggen am Rathaus wehten, die Trambahnen mit Regenbogenfähnchen beflaggt seien, Ampelweibchen und -männchen im Glockenbachviertel gleichgeschlechtlich lieben dürften. „Gleichberechtigung gehört für mich ganz selbstverständlich dazu“, auch wenn sie wisse, dass sie in der Münchner Community keine Hausmacht habe. Und die Politik ihrer Partei in der Tat nicht gerade als LGBTI*-freundlich zu bezeichnen ist.

Tatsächlich wurde der Wagen der LSU, der Lesben und Schwulen in der Union, später während der Politparade zweimal von Aktivist*innen blockiert, die Polizeigewalt, Trans*- und Homophobie, Rassismus und Abschiebungen verurteilen, für die die CSU stehe. Auch das Fahrzeug der AHSAB übrigens, des Arbeitskreises Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr.

Unsere politischen Forderungen

Viele Redner*innen, allen voran Rita Braaz und Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD, die durch das Programm am Morgen führten, betonten aber auch, dass eben noch vieles nicht gut sei. Da sei zum einen die Situation für junge Menschen an Schulen und Bildungsstätten, für die sie in Bayern einen Aktionsplan gegen Homo- und Trans*-Phobie forderten. Dann das Transsexuellengesetz, das dringend reformiert gehöre und endlich die Selbstbestimmung der Menschen in den Mittelpunkt stellen müsse. Die dramatische Lage der Geflüchteten, denen Bayern sehr schnell Schutzräume im ganzen Land zur Verfügung stellen müsse – das Münchner Schwulenzentrum Sub hatte dazu vor wenigen Tagen eine Petition präsentiert.

Zu den politischen Forderungen des CSD gehören daneben der Schutz vor Diskriminierung im Grundgesetz, die Anpassung des Abstammungsrechts und anderes mehr. Unisonso forderten alle Parteien ein Zusammenstehen gegen Rechts.

Dann ging’s los mit der Politparade um Punkt 12 Uhr. 4,5 Kilometer lang ist die Strecke inzwischen, die 140 Gruppen, die dabei waren, darunter 57 Fahrzeuge, belegten allein 2,3 davon. Auf dem Zug durch die Innenstadt, den wie immer Oberbürgermeister Dieter Reiter und Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl anführten, präsentierte sich Münchens Lesben, Schwule, Bi, Trans* und Inter* ebenso politisch wie heiter. Auch der heftige Schauer um halb eins konnte der Stimmung nichts anhaben. Neben den Veranstalter*innen des CSD wie Rosa Liste, Sub, LeTRa und Münchner Aids-Hilfe und Vertreter*innen der Community aus Münchens Partnerstadt Kyjiw liefen in verschiedenen Blöcken viele andere Organisationen mit, so im Lesben-, Trans*-, Jugend-, Chor- oder Sportblock. Auch die Diversity-Abteilungen der Unternehmen (Prout@work) und die Generalkonsulate Israels und Amerikas.

Größte Bürgerrechtsbewegung

„Der CSD war auch dieses Jahr wieder ein starkes Zeichen der Sichtbarkeit und der Solidarität mit- und füreinander“, sagt Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD. „Gemeinsam sind wir eine starke Bürgerbewegung, die sich nicht nur für die eigenen Rechte stark, sondern die ganze Stadtgesellschaft insgesamt freier macht.“

Nicht zuletzt, so Julia Bomsdorf, politische Sprecherin des CSD, gelte es jetzt, sich entschieden gegen homo- und trans*-phobe Haltungen zu wehren und sich gegen den Trend zu wenden, Angriffe auf Mitglieder der LGBTI*-Community politisch wieder salonfähig werden zu lassen. Gerade Geflüchtete brauchen dringend Unterstützung. Auch wenn bereits vieles weltweit erreicht wurde, so ist die Situation für nicht-heterosexuelle Menschen in vielen Teilen der Welt weiterhin lebensbedrohlich“. So sehr in München und Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern vieles gut und offen zu sein scheine, müssten auch innerhalb der Münchner Gesellschaft und LGBTI*-Community alle genau schauen, wem die Offenheit gilt und wer weiterhin unter Diskriminierung, Ausschlüssen und Gewalt zu leiden habe.

Dem stimmte auch Dieter Reiter zu, der nach der Politparade auf der Show-Bühne am Marienplatz zusammen mit Thomas Niederbühl sprach. „Wir sind weit gekommen, aber sind noch lange nicht am Ende unseres Zuges.“

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