Partner-Pride Kyiv

Die LSBTI-Communitys in München und Kyjiw kooperieren

Fight for Global Rights – Solidarität kennt keine Grenzen. Was 2012 als CSD-Motto begann, ist heute gelebte Partnerschaft. Lesben, Schwule, Bi*, Trans* und Inter* (LSBTI) leiden an vielen Orten der Welt unter Entrechtung, Verfolgung und Übergriffen. Solidarisch stehen wir ihnen zur Seite. Der CSD München setzt sich speziell für die Menschenrechte sexueller Minderheiten in Kyjiw ein. Denn München und Kyjiw sind Partnerstädte. Für die gemeinsame Arbeit ist das eine gute Basis.

Die Pride-Kooperation, die KyivPride und CSD nach 2012 eingegangen sind, ist aber nur ein, wenn auch zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit, die die LSBTI-Communitys hier und dort vor vielen Jahren begründet haben. Ihr kongeniales Wirken koordiniert die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer, die jedes Jahr in der Ukraine und Deutschland zahlreiche politische, kulturelle und fachwissenschaftliche Aktionen stemmt, in die die LSBTI-Organisationen beider Kommunen eingebunden sind. Die Landeshauptstadt München unterstützt die Pride-Partnerschaft finanziell und ideell. Mit diesen Mitteln kann der CSD München auch Projekte fördern, die Munich Kyiv Queer außerhalb der eigentlichen Pride-Saison plant und umsetzt.

Jedes Jahr nun fahren Lesben, Schwule, Bi*, Trans* und Inter* aus München und Kyjiw in ihre Partnerstadt, um sich bei KyivPride und CSD gegenseitig beizustehen. Vor Ort laden die Veranstaltenden zu Pride Week und Politparade; für die Gäste stellt der CSD München zusätzlich ein Besuchsprogramm in beiden Ländern auf die Beine. Stehen in München das gemeinsame Lernen, der Austausch, das Entwickeln neuer Projekte im Mittelpunkt, geht es in Kyjiw um Grundlegendes: Sichtbarkeit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, gleiche Rechte für alle, Antidiskriminierungsschutz, Verbesserung der Gesetzeslage für Trans* und Inter*. Die Präsenz ausländischer Gäste erhöht den Druck auf die ukrainischen Behörden, den KyivPride zu schützen.

Von 2012 an, als die Pride-Bewegung in der Ukraine begann, bis 2018 konnte der KyivPride auch dank Münchner Beteiligung schon fünfmal stattfinden. Doch jedes Mal, wenn die Kyjiwer den „Marsch der Gleichheit“ durchführen, behindern Rechtsradikale und Religiöse die Demo. Im Nachgang machen überdies viele von ihnen Jagd auf die Teilnehmenden. Immer wieder gibt es Verletzte. Trotzdem ist der Pride in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Die Wende kam 2016: Über 6000 Polizist*innen leiteten einen Demonstrationszug mit 2000 Teilnehmer*innen mitten durch die Innenstadt, vorbei an der Taras-Schewtschenko-Uni zum Leo-Tolstoi-Platz. Der Marsch selbst ist sicher: Wer mitlaufen will, muss zuvor durch einen Metalldetektor. Das Konzept trägt: 2017 waren die ersten Drag Queens mit dabei, 2018 über 5000 Leute in der Stadt unterwegs – darunter Pop-Stars, die ersten Lederkerle, fünf Wagen, 22 Gruppen. Engagement zahlt sich aus, erst recht gemeinsames!

Lesben, Schwule, Bi*, Trans* und Inter* haben es in der Ukraine nicht leicht. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1991 ist Homosexualität zwar kein Straftatbestand mehr; die ablehnende Haltung der Bevölkerung indes wandelt sich nur langsam. Aber immerhin: Sie verändert sich zum Besseren. Das Problem sind die Rechtsradikalen, die in einer immer liberaler werdenden Gesellschaft ihre Existenz bedroht sehen. Im Parlament spielen Radikale keine Rolle, in den Straßen Kyjiws aber schon. Lesben, Schwule, Bi*, Trans* und Inter* haben sie neuerdings zu ihren Lieblingsfeinden erkoren.

Große Hoffnung setzt die ukrainische Community deshalb auf die Anbindung ihres Landes an die Europäische Union. In diesem Zusammenhang hat das Parlament 2016 ein Antidiskriminierungsgesetz im Arbeitsrecht verankert; auch die Transition wurde vereinfacht. Die Regierung hat außerdem einen Aktionsplan für Menschenrechte verabschiedet, der bis 2020 registrierte Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht, wenngleich die Umsetzung zurzeit wenig realistisch erscheint

Allerdings darf nicht übersehen werden, dass die Politik in der Ukraine vor allem auf Druck der EU und der Zivilgesellschaft reagiert. Der Reformkurs seit dem EuroMaidan 2014 steckt fest, des Krieges im Osten wegen, aber auch weil 2019 Wahlen anstehen. Mit sexuellen Minderheiten lassen sich keine Stimmen gewinnen. Kein Wunder, dass immer mehr junge Leute die Ukraine verlassen. Darunter sind besonders viele LSBTI-Aktivist*innen.

Die Kyjiw-Arbeit der Münchner Community trägt der Münchner Stadtrat mit, insbesondere Dominik Krause (Bündnis 90/Grüne) und Thomas Niederbühl (Rosa Liste). Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter setzt sich ein.

Der CSD München und die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer arbeiten eng mit dem Kulturreferat, der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und dem Büro für Internationale Angelegenheiten der Stadt München zusammen. In Kyjiw sind sie eng vernetzt mit der Deutschen Botschaft und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Ansprechpartner

Conrad Breyer
Koordinator KyivPride
conrad@csdmuenchen.de
(0170) 18 59 705

Weitere Informationen

www.kyivpride.org
www.munichkyivqueer.org

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