Ehe für alle – Adoption für alle?

Ja, endlich! Aber...
Stiefkindadoption diskriminiert Frauenpaare weiterhin

Von Sandra Henoch

Die Sektgläser sind nach dem Beschluss des Bundestags, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, gerade erst gespült, da stellen sich bei vielen LSBTI die Fragen: Wie geht es jetzt weiter? Was ändert sich für mich und meine Familienplanung? Marion Lüttig und Stephanie Gerlach vom Regenbogenfamilienzentrum München informieren über die neuesten Entwicklungen und geben Tipps zur Familienplanung.

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"Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“: Sieben Worte in einem Paragraphen waren ausschlaggebend für ein politisches Erdbeben in Berlin und ein persönliches bei den LSBTI. Denn wo vorher nur „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“ stand, sind gleichgeschlechtliche Paare nun explizit erwähnt. Jetzt ist nach jahrzehntelangem Kampf, zähem Ringen und schier endlosen Diskussionen um das Kindeswohl endlich auch der Weg frei für die gemeinsame Adoption von Kindern. Zwar war es auch bisher möglich, als Einzelperson ein Kind zu adoptieren; die Chancen standen aber in der Realität bei Null. So bald das Gesetz unterschrieben und in Kraft getreten ist, gehen gleichgeschlechtliche Ehepaare den gleichen Behördenweg wie gegengeschlechtliche. Pärchen, die sich für eine Adoption interessieren. Sie sollten zunächst Kontakt zum Jugendamt aufnehmen. Es folgen Informationsveranstaltungen, Fragebögen, Gespräche und ein Hausbesuch. Ist das Jugendamt davon überzeugt, dass das Paar geeignet ist, beginnt die Wartezeit. Das Regenbogenfamilienzentrum rät gleichgeschlechtlichen Paaren dazu, mit großer Offenheit in das Adoptionsverfahren zu starten, sowohl was ihre eigene Identität, aber auch was das Kind und seine Ursprungsfamilie angeht. Denn natürlich wird nicht das passende Kind für ein Ehepaar ausgesucht, die künftigen Eltern werden passend zum Kind ausgewählt.

Ein Wermutstropfen jedoch bleibt: Die Stiefkindadoption bleibt ein kompliziertes Unterfangen. „Leider hat sich mit der Eheöffnung ein Kernproblem von Regenbogenfamilien nicht geändert: Gemeinschaftliche rechtliche Elternschaft ergibt sich nicht, wie bei Heteropaaren, automatisch, sondern kann nur über die Stiefkindadoption erreicht werden. Das ist ungerecht, absurd und diskriminierend“, erklärt Stephanie Gerlach. Tatsächlich müssen lesbische Paare bisher einen recht komplizierten Weg nehmen, wenn ein Kind in der Beziehung geboren wird und durch die andere Frau adoptiert werden soll. Bei heterosexuellen Paaren findet dies automatisch statt. Verantwortlich dafür ist das Abstammungsrecht, das „Vater“ und „Mutter“ erwähnt. Die Möglichkeit zur vorgeburtlichen Mutterschaftsanerkennung ähnlich der automatischen Vaterschaft in einer gegengeschlechtlichen Ehe gibt es also weiterhin nicht. Lesbische Paare können zumindest in München trotzdem recht entspannt an die Prozedur herangehen. Das Jugendamt hat bereits zahlreiche Stiefkindadoptionen erfolgreich durchgeführt. Zudem werden im Justizministerium im Moment die Möglichkeiten zur Behebung dieses Problems geprüft, vor der Wahl wird sich hier aber wohl nichts mehr tun.

Das Regenbogenfamilienzentrum steht allen werdenden Eltern und Regenbogenfamilien mit Rat und Tat zur Seite.

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