PrideWeeks 11.-28. Juni '26
Unter dem Motto „Unsere Vielfalt. Unsere Stärke“ macht der CSD zwischen Odeonsplatz und Siegestor mit mehreren Bühnenprogrammen und verschiedenen Special Areas eine vielfältige Community sichtbar.
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München, 8. Juni 2026 – Eine richtige Meile ist es nicht, aber für etwas über einen Kilometer hat es gereicht. Der Münchner CSD zieht um – jedenfalls das Straßenfest.
Für die Altstadt war die mehrtägige Veranstaltung, immerhin Münchens bestbesuchtes Event mit zuletzt 300.000 Gästen (2025), in den vergangenen Jahren zu groß geworden. Die damit verbundenen Sicherheitsauflagen machten das Straßenfest auf dem Marienplatz zunehmend unattraktiv und ließen gleichzeitig die Kosten Jahr für Jahr steigen.
Eine queere Flaniermeile mit vielen Neuerungen
Also entschloss sich der CSD, 2026 einen Schnitt zu machen. Bei den PrideWeeks, der PolitParade, auch beim RathausClubbing, bleibt alles beim Alten. Innerhalb der zwei PrideWeeks finden in München vom 11. bis 28. Juni wie gehabt um die 100 Veranstaltungen statt. Auch zur PolitParade durch die Innenstadt erwarten die Veranstalter*innen angesichts von 213 (2025: 201) teilnehmenden Gruppen wieder Tausende Teilnehmer- und Zuschauer*innen. Die Strecke ist drei Kilometer lang.
Aber das Straßenfest findet künftig in der Ludwigstraße statt – und das sogar über drei Tage! "Wir haben auf dem Prachtboulevard der Stadt deutlich mehr Platz", sagt CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. "Damit können wir auch mehr Inhalte und Programm bieten." Die Ludwigstraße wird so zur queeren Flaniermeile und zur politischen Bühne für Vielfalt, Freiheit und Demokratie. Aber dazu gleich mehr.
MainStage mit Conchita, OXA und Patrick Lindner
Die Pläne der verschiedenen Orga-Teams klingen vielversprechend: So zieht die MainStage vom Marienplatz vor den Platz der Feldherrnhalle, Höhe Brienner Straße, wo sie einen viel größeren Einzugsbereich haben wird als früher.
Ein Highlight werden neben den Künstler*innen Conchita am Freitagabend, Mavi Phenix und OXA am Samstagabend sowie Patrick Lindner am Sonntagabend die Skydecks sein, Aussichtsplattformen neben bzw. vor der Bühne, die den Blick auf die neue Pride-Zone freigeben. Über ShoutOuts verkünden LGBTIQ*-Organisationen ihre politischen Anliegen.
Die QueerStage, zuletzt am Wittelsbacherplatz, findet ihren neuen Standort an der Rheinbergerstraße. Fans erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit junger queerer Club- und Subkultur, Drag-Auftritten und einem Queer Poetry Slam.
(PolitParade vor dem Sub auf dem CSD 2024. Foto: Bethel Fath)
Ihr gegenüber, an der Ecke zum Oskar-von-Miller-Ring, trifft die QueerStage auf eine KaraokeBühne. Alle, die Lust haben, können dort vor Publikum ihr Gesangstalent auf die Probe stellen. Am Sonntag wird die Karaoke-Bühne zur "kleinen PartyArea" (s.u.).
Eine PolitikBühne, auf der vor allem politische Talks aus der Community stattfinden und lokale Künstler*innen auftreten, steht künftig auf Höhe der Theresienstraße. Es moderieren Bernd Müller, Rosa-Liste-Stadtrat, und Yves Flade, bekannt vom Szene-Podcast "Glockenbach Live!". Bislang fand man diesen Ort, bekannt als Community-Bühne, in der Kaufingerstraße.
Hier treffen sich etwa queere Mitglieder aus dem Münchner Stadtrat zum Polit-Talk, Vertreter*innen von diversity München, die zur Frage diskutieren: Was bewegt junge Queers? Es sprechen queere Geflüchtete, Regenbogenfamilien. Die Bigband Groove Sistaz spielt, die Selige Maikönigin kommt und natürlich Samantha Jackson, Bayerns erste ukrainische Drag Queen, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen musste. Um nur mal einen Ausschnitt der Bandbreite darzustellen.
Vor der Staatsbibliothek baut der Münchner Löwen-Club MLC seine FetischArea auf, die vom Platz vor der Feldherrnhalle herzieht. Hier gibt‘s Infostände, Diskussionen, Live Acts, vor allem aber Aufklärung über verschiedene Arten von Fetisch. Denn auch Kink ist Vielfalt und gelebte Freiheit!
Neu sind die Generationen- und SportAreas weiter nördlich. Highlight hier ist einmal das neue Senior*innen-Café von Münchenstift an der Schellingstraße. Dort wird bei Kaffee und Kuchen über Konzepte zum Thema "Queer und Alter" informiert. "Mit unserem Angebot wollen wir bei queeren wie nicht-queeren Menschen Berührungsängste abbauen", sagt Miriam Vath, Referentin für LGBTIQ* bei Münchenstift. Die Area, insbesondere das Café, bietet Raum für Begegnung, Information und Austausch. "Wir werden alle älter. Es ist deshalb wichtig, sich mit diesem Lebensabschnitt frühzeitig zu beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn man auf Hilfe angewiesen ist."
Von der Schellingstraße bis zum Sophie-Scholl-Platz stellen sich dann Münchens LGBTIQ*-Sportvereine vor, an Infoständen, aber auch interaktiv mit Sporterlebnisgeräten. Alle können sich messen.
Und am Ende: die PartyArea! Sie bekommt einen prominenten neuen Platz vor dem Siegestor mit einer spektakulären Bühne. Ein Chillout-Bereich richten die Veranstalter vor der Universität ein.
Die Infostände der queeren Community und ihrer Allies – 93 sind es in diesem Jahr – finden sie sich entlang der gesamten PrideMeile. Durchmischt von einer Vielzahl von Gastro-Ständen und Biergärten.
Das CSD-Straßenfest beginnt erstmals bereits am Freitagnachmittag, wie es die CSDs in Köln, Hamburg und Frankfurt seit Jahren vormachen. "Die Stimmung in der Stadt ist dann besonders schön", sagt CSD-Geschäftsführer Kluge. "Es herrscht eine große Vorfreude auf den Samstag, die PolitParade und das RathausClubbing; alle sind aufgeregt." Sonntagabend endet das Straßenfest.
(Die Fetish Area auf der neuen PrideMeile. Grafik: Frank Zuber)
Voll bespielt wird die PrideMeile nur am Samstag; Sonntag belegt der CSD die Ludwigstraße lediglich bis zum Altstadtring, genauer bis zur oben erwähnten KaraokeBühne. Denn sonntags wollen sich erfahrungsgemäß viele Besucher*innen vom Vortag erholen.
Der Münchner CSD zieht dieses Jahr unter dem Motto "Unsere Vielfalt. Unsere Stärke" in die PrideWeeks. "Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen ist das ein doppelter Auftrag", sagt Oberbürgermeister Dominik Krause in seinem Grußwort für den CSD. Er hat wie sein Vorgänger Dieter Reiter die Schirmherrschaft für den CSD übernommen. Und er meint, dem Backlash müsse sich sowohl die Stadtgesellschaft wie die Community mit aller Kraft entgegenstemmen.
Es ist diese Solidarität der Menschen untereinander, die den sozialen Frieden in unserer Stadt trägt. Deshalb kann Tobias Oliveira Weismantel, geschäftsführender Vorstand der Münchner Aids-Hilfe, den Worten von Krause bezogen auf die eigenen Leute nur beipflichten. "Die Community war und ist immer dann stark, wenn sie gemeinsam für gleiche Rechte und Akzeptanz gekämpft hat. Jeder Angriff auf einzelne ist ein Angriff auf uns alle!"
Dass das nicht immer allen leicht falle, liege in der Natur der Sache, sagt Bernd Müller, neuer politischer Sprecher des CSD und Rosa-Liste-Stadtrat. "Manche sind überfordert von der Vielfalt der Sexualitäten und Identitäten, wie wir sie in den letzten Jahren erleben." Doch plädiert er für Offenheit: "Gerade die kleineren Teile der Community können sich nur unter dem Schutz einer großen Gemeinschaft entfalten und ihre Stimme erheben." LGBTIQ* seien trotz ihrer Verschiedenheit in der Lage, eine Einheit zu bilden. "Zumal eine Einheit, die stark und erfolgreich ist, wie die gesellschaftspolitischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte beweisen."
So ist die Mehrheit der Menschen in Bayern, insbesondere in München, heute queer-freundlich eingestellt - trotzdem nimmt in jüngster Zeit die Zahl der Übergriffe zu. Die im Sub angesiedelte bayernweite LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt, Strong!, meldet in ihrem Jahresbericht 2025 einen Anstieg um 43 Prozent der Fall- und Beratungszahlen.
Demnach wurden im vergangenen Jahr 413 Vorfälle erfasst – das waren 124 mehr als 2024, 183 mehr als 2023 und 254 mehr als 2022. Die erfassten Meldungen reichen von Alltagsdiskriminierungen über Beleidigungen, Bedrohungen und Benachteiligung bis hin zu sexueller Belästigung und schwerer Körperverletzung.
Deutschlandweit belaufen sich die vorläufigen Zahlen queerfeindlicher Hasskriminalität für 2025 laut LSVD auf 2.048 Fälle. Seit 2010 haben sich die Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene Diversität" laut BMI und BKA damit nahezu verzehnfacht.
Strong!-Beraterin und Psychologin Leonie L. sagt: "Das gesellschaftliche Klima gegenüber queeren Menschen ist aller Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte zum Trotz aggressiver geworden. LGBTIQ*-Themen lösen viel Empörung aus, dies schlägt oft in verbale Angriffe und mitunter in körperliche Gewalt um. Gerade im digitalen Raum scheint es wenig Hemmungen zu geben. Das trifft insbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Menschen."
(Leonie L. von Strong! spricht auf dem IDAHOBIT 2026. Foto: Mark Kamin)
Die rechtliche Situation – in der EU gilt Deutschland laut ILGA Europe als einer der Vorreiter in Sachen LGBTQI*-Rechte – schafft also noch nicht automatisch auch gesellschaftliche Akzeptanz.
Tatsächlich sinkt sie sogar leicht, wie die internationale Studie "LGBT+ Pride Report 2026" des Markt- und Sozialforschungsinstituts Ipsos belegt. "In Deutschland herrscht zwar breiter Konsens darüber, dass sexuelle Minderheiten vor Diskriminierung geschützt werden müssen", sagt Rouven Freudenthal, Pressesprecher und DEI Ambassador von Ipsos in Hamburg. Doch die Zustimmung zu gleichen Rechten und queerer Sichtbarkeit sinke – je nach Aussage um 1 bis 10 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
"Deutschland folgt damit mit etwas Verzögerung einem globalen Trend, der sich zuletzt besonders heftig in den USA, aber auch in zahlreichen anderen Ländern manifestiert hat."
Das Engagement für den CSD bleibt deshalb wichtig. "Unsere Gesellschaft ist eine bessere, gerechtere und stärkere, wenn wir Vielfalt leben und schützen", sagt CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. Der CSD stellt deshalb an Bundes- und Staatsregierung folgende sechs Forderungen:
1) Queere Menschen vor Diskriminierung schützen! Wir fordern die Ergänzung von Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes um die Merkmale sexuelle Orientierung und Geschlechtliche Identität.
2) Hasskriminalität und Hatespeech wirksam bekämpfen! Wir fordern den Schutz aller LGBTIQ* sowie die Entwicklung von Gegenstrategien unter Beteiligung der queeren Community.
3) Das Selbstbestimmungsgesetz erhalten und bedarfsgerecht erweitern! Alle trans*, inter* und nichtbinären Menschen müssen ihren Namen und ihren Geschlechtseintrag weiter selbstbestimmt wählen können.
4) Abstammungsrecht modernisieren! Wir fordern die rechtliche gemeinschaftliche Elternschaft ab Geburt eines Kindes, unabhängig vom Geschlecht der Eltern.
5) Queeren Geflüchteten Schutz gewähren! In 60 UN-Mitgliedsländern ist Homosexualität illegal und steht unter Strafe; in zwölf Ländern droht die Todesstrafe. Wir fordern ein Recht auf Asyl für verfolgte LGBTIQ*.
6) Queeren Aktionsplan Bayern verabschieden! Wir fordern die Staatsregierung auf, schnellstmöglich einen strukturierten, finanziell abgesicherten und mit der Expertise der Community erstellten Aktionsplan vorzulegen.
Kluge sagt: "Solange eine Gleichstellung nicht erreicht ist, solange queere Menschen häufiger Diskriminierung und Gewalt erleben, ist unsere Sichtbarkeit kein Selbstzweck, sondern politischer Einsatz für Teilhabe, sozialen Frieden, Demokratie und Freiheit."
(Rainbow Refugees beim CSD 2018. Foto: Mark Kamin)
Seit mehr als 40 Jahren demonstrieren LGBTIQ* in München auf dem CSD für gleiche Rechte und Akzeptanz. Bei der größten Veranstaltung der Community im süddeutschen Raum, die getragen wird vom Lesbisch-Queeren Verein LesCommunity, dem Schwul-Queeren Zentrum Sub, der Münchner Aids-Hilfe, der Wähler*innen-Initiative Rosa Liste und der queeren Jugendorganisation diversity München, finden innerhalb zweier PrideWeeks mehr als 100 Veranstaltungen (2026) statt. Höhepunkte sind die PolitParade mit zuletzt 300.000 Teilnehmer- und Zuschauer*innen (2025), das erstmals dreitägige Straßenfest in der Ludwigstraße (2026) und das Pride-Event RathausClubbing.
Conrad Breyer
Pressereferent CSD München
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