Wir fordern...

Der CSD ist keine Party, nicht nur jedenfalls. Natürlich feiern wir, was wir erreicht haben. Trotzdem vergessen wir nicht, was noch zu tun ist. Wir setzen uns für Gleichheit und Akzeptanz ein. Unsere Ziele lauten wie folgt:

gleiche Rechte trotz Ehe für alle. Wie zum Beispiel die Gleichstellung im Adoptionsrecht. Ehefrauen von Müttern müssen automatisch selbst als Mutter anerkannt werden.

die Abschaffung des Transsexuellengesetzes und eine selbstbestimmte Änderung von Namen und Personenstand. Selbstbestimmung muss allen Menschen zugestanden werden; insbesondere muss künftig die Personenstandsänderung allein auf Antrag beim Standesamt möglich sein, ohne Gutachten, ärztliche Atteste oder Gerichtsverfahren. Auch müssen geschlechtsangleichende medizinische Leistungen leichter genehmigt werden.

die Stärkung von Inter*-Menschen. Die Einführung des dritten Geschlechts war ein großer Erfolg. Auch hier aber braucht es Selbstbestimmung. Wir setzen uns unter anderem dafür ein, dass Operationen verboten werden, die ohne Zustimmung der Betroffenen durchgeführt werden. Auch die Pflicht, ein Gutachten einzuholen, bevor eine Änderung des Personenstands ("Divers") möglich ist, lehnen wir ab. Wir fordern außerdem die Anerkennung einer Inter*-Definition, die in Zusammenarbeit mit Selbstorganisationen entsteht, nicht durch medizinische Normen.

eine umfassende Antidiskriminierungsgesetzgebung für alle. Es gibt war ein Antidiskriminierungsgesetz, aber der Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Gender-Identität genießt keinen Verfassungsrang. Im Katalog der Diskriminierungsverbote in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes finden die Charakteristika "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtliche Identität" keine Erwähnung. In einigen Bundesländern gibt es bereits entsprechende Diskriminierungsverbote. Wir fordern die anderen Bundesländer und den Bund auf, diesem Beispiel zu folgen.

eine konsequente Verfolgung von Hassverbrechen. In den Ausführungen zur Hasskriminalität, die 2015 in das Strafgesetzbuch eingeführt wurden, müssen ausdrücklich auch LGBTI*-feindliche Motive benannt werden. Außer in Berlin ignoriert die Polizei bislang dezidiert homo- und trans*-phobe Beweggründe für Verbrechen. Hate Crimes müssen als solche erfasst werden. Auch sollten dezidiert trans*-feindliche Straftaten in den Statistiken der Polizei auftauchen.

Akzeptanz und Respekt an Schulen wie anderen Bildungseinrichtungen. Aufklärung über die Vielfalt an Orientierungen, Identitäten und Lebensweisen, die Geschichte von LGBTI*, ihre Leistungen etc. Einführung entsprechender Aktionspläne im Länderbildungswesen und national.

Zusammenhalt in der LGBTI*-Community: In Zeiten wachsender Anfeindung aus der Mitte der Gesellschaft müssen wir zusammenhalten. Gemeinsam können wir mehr bewegen. Das ist eine Frage der Haltung, aber auch der Praxis beim gemeinschaftlichen Organisieren, Diskutieren und Planen von Aktionen und Events. In München haben wir dafür den Szenestammtisch, bei dem einmal im Quartal die Vertreter*innen der wichtigsten LGBTI*-Organisationen zusammenkommen.

mehr Sichtbarkeit sexueller Minderheiten. Der CSD versteht sich als Plattform für die Münchner Szene, nicht nur während der Events im Juli. Wir bieten übers Jahr hinweg vielfältige Möglichkeiten, sich zu engagieren und zu zeigen. Sichtbarkeit verändert die Haltung der Menschen; sie sehen, wie bunt die Gesellschaft um sie herum ist.

Respekt für die spezifischen Bedürfnisse von LGBTI*-Personen im Alter. Wir fordern, die Mitwirkung älterer LGBTI* in der politischen Interessenvertretung von Senior*innen sicherzustellen, ihren besonderen Bedürfnissen in Betreuung und Pflege Rechnung zu tragen sowie spezielle Wohnformen für ältere LGBTI* zu fördern und finanziell zu unterstützen.

die Anerkennung der Geschichte als Basis für das Heute. Wir wollen Unterstützung für konkrete Maßnahmen, die den Dialog zwischen den Generationen aktiv halten und Begegnung ermöglichen. Dazu gehört eine lebendige Erinnerungskultur mit Erinnerungsorten, Wegmarken und Denkmälern für die queere Community, LGBTI*-Archive inklusive Finanzierung. Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass der Staat Gender-Studien und Forschung zu LGBTI* fördert und wir wollen, dass sich traditionelle Museen für Queering Memory öffnen.

internationale Solidarität mit LGBTI* weltweit, denen Gefahr für Freiheit, Leib und Leben droht. München engagiert sich seit vielen Jahren für Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete, die sich der Community angehörig fühlen, sowie für LGBTI* in unserer Partnerstadt Kyjiw. Das Meiste geschieht ehrenamtlich in den hiesigen Organisationen, Vereinen und Gruppen. Als CSD tragen wir die Aktivitäten unserer Szene mit, wir unterstützen und fördern sie. Seit 2012 besteht darüber hinaus eine Kooperation mit dem KyivPride.

ein Bleiberecht für LGBTI*-Geflüchtete. In 70 Ländern ist Homosexualität immer noch illegal und steht unter Strafe, in zwölf Ländern droht die Todesstrafe. Menschen, die in ihren Herkunftsländern aufgrund ihrer Sexualität und/oder Geschlechts-Identität um ihre Gesundheit und ihr Leben fürchten, müssen bei uns bleiben dürfen. Wir fordern darüber hinaus einen sofortigen Stopp von Abschiebungen Geflüchteter!

die Abschaffung von Ankerzentren. Die so genannten Ankerzentren verhindern in ihrer Struktur ein gerechtes, individuelles Asylverfahren; die Bedingungen der Unterbringung von Geflüchteten sind menschenunwürdig. Ehrenamtlichen wird der Zugang verwehrt und es gibt so kaum Möglichkeiten zur Unterstützung der Betroffenen. Diese Zustände schädigen alle Menschen dort, LGBTI*-Geflüchtete werden durch die Isolation und fehlende Unterstützung jedoch besonders getroffen. Wir fordern als ersten Schritt, alle ehrenamtlichen Helfer*innen in die Zentren zu lassen und den Geflüchteten die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen und verdienen.

gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe. LGBTI* sind in ihrer Vielfalt eine Bereicherung für die Gesellschaft. Wir wollen keine Sonder-, dafür gleich Rechte, tragen als Community und Individuen unseren Teil zum Leben der anderen bei wie alle anderen Menschen auch. München ist bunt!

Unsere Partner*innen